Über das Buch

Der zweitjüngste Sohn einer kinderreichen katholischen Lehrerfamilie in Derry bekam schon früh die Diskriminierung der Katholiken zu spüren, die in den 60er Jahren zur Bildung einer starken Bürgerrechtsbewegung führte. Auch in den deutschen Nachrichten gab es damals immer wieder Berichte mit Bildern von Bürgerrechtsmarschierern, Polizeiknüppeln und Panzern. Doch nur wenigen deutschen Zuschauern gelang es, sich ein Bild der Zusammenhänge zu verschaffen. Viele glaubten, es handele sich um einen Glaubenskrieg zwischen Protestanten und Katholiken und wunderten sich, wie im aufgeklärten Westen so etwas möglich sein konnte.

Hier liegt nun der authentische Bericht eines ursprünglich unbeteiligten, später aber radikalisierten Zeitzeugen und Mittäters vor, der die Hintergründe aus eigenem Erleben schildert. In den langen Jahren seiner späteren Haft rechnete O'Doherty schließlich schonungslos mit sich selbst ab und wandte sich der aktiven Reue zu. Als das Buch 1989 zuerst erschien, war es sofort ein Bestseller. Dem deutschen Buchmarkt blieb es allerdings lange verborgen. Nun kann man O'Dohertys Autobiographie endlich auch bei uns erhalten und aus erster Hand erfahren, wie ein entsetzter Jugendlicher das Blutvergießen des Bloody Sunday 1972 miterlebte und welche Folgen es für ihn hatte.

Bilder von Derry

Bilder von Derry: Stadtteil Bogside / Zwei Wandgemälde / Mahnmal in der Bogside (Fotos: Mark A. Wilson, Kryptonit, Wikimedia Commons, Alan Mc)

Montag, 23. Juni 2014

"Im Namen des Vaters": Früheres Justizskandal-Opfer Gerry Conlon gestorben


„Im Namen des Vaters“ – der berühmte Film mit Daniel Day Lewis - basiert auf einem realen Fall. Gerry Conlon wurde 1974 zusammen mit zwei anderen Männern und einer Frau zum Opfer der britischen Justiz....
Damals hatte die IRA in Guildford (nicht weit von London) zwei Bombenanschläge ausgeführt, bei dem fünf Menschen ihr Leben lassen mussten. Die Conlons waren zufällig zur falschen Zeit am falschen Ort, und sie waren aus Nordirland – das genügte, um sie 1975 für die nächsten 15 Jahre hinter Gitter zu bringen. Es war ein schwerwiegendes Fehlurteil der Justiz, ausgelöst durch den heftigen Aktionismus der Behörden, der auf die IRA-Terroraktivitäten in London folgte. Strafverfolgung wurde damals drastisch vereinfacht, „Beweise“ unzureichend recherchiert, ein Bauernopfer wurde gebraucht, und das ganz schnell – dazu mussten die „Guildford Four“ herhalten. Es war soweit gekommen, dass man nur Ire sein musste, und schon wurde man verdächtigt. Es half den Guildford Four auch nicht, dass die IRA ein Bekennerschreiben herausgab, in dem sie explizit klarstellte, dass sie nichts mit den vier Personen zu tun hatte und dass diese wiederum nichts mit den Anschlägen zu tun hatten. 

Shane O’Doherty und die Conlons begegneten sich im Gefängnis Wormwoods Scrubs. Shane, bereit, ihnen seine Schreibbereitschaft und seine Kontakte zur Anwältin zugute kommen zu lassen, setzte sich mit schriftlichen Fürsprachen, Erklärungen und Appellen für die vier ein. Doch erst 1989 kamen die unschuldig Verurteilten nach einem mühsam errungenen Berufungsverfahren frei, und schließlich musste sich Tony Blair 2005 stellvertretend für die früheren Regierungen bei den vieren für das Fehlurteil entschuldigen.
In dem Film „Im Namen des Vaters“ von 1994 wird Gerry Conlon von Daniel Day Lewis dargestellt. Conlon selbst, mittlerweile 69 Jahre alt, starb jetzt zuhause in Belfast. 

Sehr viele Iren hatten unter den pauschalen anti-irischen Vorurteilen gelitten, die in den 70er und 80er Jahren in England grassierten, und die durch den Terror der nationalistischen IRA und ihrer Gegner, der loyalistischen Front, ausgelöst wurden. Als die Conlons freigelassen wurden, wurde das in Irland mit Genugtuung registriert. Man sah sie als Symbolfiguren für das erlittene Unrecht, und so wurde die Nachricht von Gerry Conlons Tod auch in Derry entsprechend kommentiert. Das Bild zeigt Shane O’Doherty am 22. Juni 2014 an der Free Derry Corner, wo er dieses Graffiti vorgefunden hatte.

Die irischen Nachrufe auf Gerry Conlon beschreiben einen Mann, dessen während der Haft schon zerstörtes Leben nach der Freilassung mit Traumatisierung und Krankheit weiterging. Ein armer Kerl, der einfach nur den falschen Pass und den falschen Akkzent hatte. 



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