Damals hatte die IRA in Guildford (nicht weit von London) zwei Bombenanschläge ausgeführt, bei dem fünf Menschen ihr Leben lassen mussten. Die Conlons waren zufällig zur falschen Zeit am falschen Ort, und sie waren aus Nordirland – das genügte, um sie 1975 für die nächsten 15 Jahre hinter Gitter zu bringen. Es war ein schwerwiegendes Fehlurteil der Justiz, ausgelöst durch den heftigen Aktionismus der Behörden, der auf die IRA-Terroraktivitäten in London folgte. Strafverfolgung wurde damals drastisch vereinfacht, „Beweise“ unzureichend recherchiert, ein Bauernopfer wurde gebraucht, und das ganz schnell – dazu mussten die „Guildford Four“ herhalten. Es war soweit gekommen, dass man nur Ire sein musste, und schon wurde man verdächtigt. Es half den Guildford Four auch nicht, dass die IRA ein Bekennerschreiben herausgab, in dem sie explizit klarstellte, dass sie nichts mit den vier Personen zu tun hatte und dass diese wiederum nichts mit den Anschlägen zu tun hatten.
Sehr viele Iren
hatten unter den pauschalen anti-irischen Vorurteilen gelitten, die in den 70er
und 80er Jahren in England grassierten, und die durch den Terror der nationalistischen
IRA und ihrer Gegner, der loyalistischen Front, ausgelöst wurden. Als die
Conlons freigelassen wurden, wurde das in Irland mit Genugtuung registriert. Man
sah sie als Symbolfiguren für das erlittene Unrecht, und so wurde die Nachricht
von Gerry Conlons Tod auch in Derry entsprechend kommentiert. Das Bild zeigt
Shane O’Doherty am 22. Juni 2014 an der Free Derry Corner, wo er dieses
Graffiti vorgefunden hatte.Die irischen Nachrufe auf Gerry Conlon beschreiben einen Mann, dessen während der Haft schon zerstörtes Leben nach der Freilassung mit Traumatisierung und Krankheit weiterging. Ein armer Kerl, der einfach nur den falschen Pass und den falschen Akkzent hatte.
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